Mittwoch, 24. Juni 2015

Juni und Juli 2015.



Do., 25.06. - Doku: The Punk Singer / Doku über Kathleen Hanna (BIKIN KILL, LE TIGRE, THE JULIE RUIN) // Desi 18.oo Uhr

Sa., 27.06. - Girl Gangs over Nürnberg - Ausstellung, Vokü, Bar-DJing etc. // Arsch und Friedrich Nbg

Fr., 03.07. MÜLLTÜTE + LEVITATIONS / Maximum Rocknroll Benefit // Projekt 31 Nbg

Mi., 08.07. CLOUD RAT + MASADA // selbstverw. Juz Erlangen 

Do., 09.07. GHOST CAT + ALWAYS WANTED WAR // selbstverw. Juz Erlangen

So., 12.07. CANINE + ARNO DÜBEL // Projekt 31 Nbg ab 15.oo

Sa., 19.07. DISEMBARKED + SUBRHOSA // Projekt 31 Nbg

Mi., 24.07. TEMPEST + LORD SNOW + DEER IN THE HEADLIGHTS // selbstverw. Juz Erlangen

Mo, 27.07. DIY OR DIE Sendung (und Jubiläum: 7 Jahre DIY OR DIE)

Mi., 29.07. OAK + CONTWIG // selbstverw. Juz Erlangen




Frank Apunkt Schneider "My future in the SS" Nazi-Symbolik im deutschen (Post-) Punk


Wer den Vortrag letzten Samstag verpasst hat, kann ihn hier anhören:

Mitschnitt eines Vortrags in Nürnbergvom 20.06.2015

Ohne Bilder und Musik, dafür mit Mikrofonaussetzern.


Als im New Yorker Frühpunk erstmals unkommentiert Hakenkreuze und NS-Zeichen auftauchten, war dies vor allem eine innerjüdische Angelegenheit: Jüdische Punks wie die Dictators benutzten sie, um sich mit der eigenen sekundären Traumatisierung als Nachgeborene der Überlebenden auseinanderzusetzen.

Als Punk dann wenig später nach Deutschland kam, wurde das provokante Spiel mit dem NS dankbar aufgegriffen. Plötzlich redeten die Kinder und Enkel der Täter_innen in einer verstörend neuen Weise über die Shoa, die Daniel Jonah Goldhagens »Hitlers Willing Executioners« vorwegnahm: Songs wie »Party in der Gaskammer« oder »Die lustigen Stiefel (marschieren über Polen)« und Gruppen wie Vadder Goebbels und die Nazi-Schlümpfe erzählten von der Shoa erstmals in der Wir-Perspektive und dekonstruierten damit die deutsche Vergangenheitsbewältigung.

Dieses scheinaffirmative Spiel war wiederum eine innerdeutsche Angelegenheit: eine Abrechnung mit den eigenen (Groß-)Eltern, deren Lebenslügen genüsslich demontiert wurden. Und doch standen die deutschen Punks damit noch immer in deren Tradition, weil ihre aggressive Wiederaneignung der deutschen Schuld die Auslöschung der europäischen Jüdinnen und Juden auf einer symbolischen Ebene wiederholte. Wie sich Textzeilen wie »Im KZ war’s doch so nett, nett, nett« wohl in den Ohren der Überlebenden anhören mochten, darauf scheinen sie jedenfalls keinen Gedanken verschwendet zu haben.

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Frank Apunkt Schneider ist unfreier Künstler, Autor und selbsternannter Poptheoretiker, Mitherausgeber der testcard und Redakteur bei skug, außerdem der deutsche Außenposten der Kulturbewegung monochrom. Bücher: »Als die Welt noch unterging. Von Punk zu NDW« (2007), »Deutschpop halt’s Maul! Für eine Ästhetik der Verkrampfung« (2015)